ein persönliches blog von Dennis Wittrock über Ken Wilber, integrale Theorie und Praxis, imove, Integrales Forum, etc...

Freitag, Februar 03, 2012

Mit Simultanpolitik zu Global Governance


Das Kern-Problem, das hinter zahlreichen globalen Konflikten steht, ist destruktiver internationaler Wettbewerb, eine Variation des bekannten „Gefangenendilemmas“ aus der Spieltheorie. Destruktiver internationaler Wettbewerb unter den Nationen verhindert eine übergeordnete, bindende Kooperation auf Welt-Ebene, z.B. in Fragen des Klimaschutzes, der Regulierung des Finanzsektors und der Regulierung transnationaler Unternehmen, Einhaltung von menschenwürdigen Arbeitsbedingungen, etc. Bislang handelt sich immer diejenige Nation einen Wettbewerbsnachteil ein, die sich zuerst bewegt und sich im Sinne des größeren planetaren Ganzen Pflichten auferlegt. Aufgrund des starken internationalen Wettbewerbs in einer globalisierten Welt muss eine Nation dann mit Abwanderung von Kapital und Investitionen in andere Länder rechnen, wo die Auflagen weniger streng und die wirtschaftlichen Bedingungen günstiger sind. Niemand wagt den ersten Schritt und globale Probleme bleiben ungelöst.

Die Politik gerät in die Legitimationskrise, Wähler empfinden den Urnengang zunehmend als sinnlos, da sie letztlich nur Variationen desselben wirtschaftsliberalen politischen Einheitsbreis wählen können.

Banken, Investoren und transnationale Unternehmen sind die (vermeintlichen) Nutznießer des destruktiven internationalen Wettbewerbs und spielen Nationen gegeneinander aus. Tun sie es nicht, so tun es eben die anderen und sie verlieren – das alte Argument, das leider richtig ist.

In politischer Hinsicht fehlt eine legitimierte, übergeordnete Ebene der transnationalen Regulierung, die gesetzlich bindende Wirkung hat.

LÖSUNGSANSATZ:

Der Weg zu einer transnationalen simultanen Politik führt zunächst über demokratische Prozesse. Wähler, die die globale Kooperation aller Nationen befürworten, melden sich als Simpol-Unterstützer und erklären, dass sie bei der nächsten Wahl in ihrem Land jegliche vernünftige Partei wählen werden, die sich bereit erklärt, sich einer simultanpolitischen Regulierung unterzuordnen, sobald diese zustande kommt. Simultanpolitische Beschlüsse treten erst in Kraft, sobald alle oder hinreichend Nationen mitziehen. Eine Selbstverpflichtung ist für die Politiker also mit keinerlei Risiko verbunden – eher umgekehrt, denn Parteien, die sich der Simultanpolitik nicht verpflichten, haben einen Wettbewerbsnachteil gegenüber denjenigen Parteien, die das tun. Somit reicht bereits ein kleiner Prozentsatz von Wählern aus, um die wichtigsten Parteien eines Landes hinreichend zur Kooperation auf globaler Ebene zu motivieren (wie die Simpol-Bewegung von John Bunzl in UK demonstriert: www.simpol.org ).

Parallele Kampagnen in allen demokratisch verfassten Staaten helfen dann, nach und nach die Perlen der Unterstützung auf die globale Perlenkette aufzureihen. Der Teufelskreislauf des destruktiven internationalen Wettbewerbs wird nach und nach ersetzt durch den Tugendkreislauf der Bekundung transnationaler Kooperationsbereitschaft.

SIMPOL Förderprojekt der EIA-Stiftung


SIMPOL auf Betterplace.org


www.simpol.org
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Mittwoch, Dezember 14, 2011

Occupy, IP Schweiz und "integrale Killer-Apps" der Zukunft



Neulich habe ich mit Monika Frühwirth einen Mailwechsel zu den Themen"Occupy-Bewegung, bedingungsloses Grundeinkommen, integrale Politik" geführt. Hier ein Auszug daraus:

Ich denke, dass zwar viele wichtige Werte und Anliegen in der IP Schweiz als auch in der Occupy Bewegung wahrgenommen und zum Ausdruck gebracht werden. Es gibt soziale Lücken und es gibt auch große Ungerechtigkeiten - insbesondere im Finanzwesen.

Von "dagegen", zu "dafür" zu "knowing how"

Nur leider herrscht offenbar eine masslose Naivität und Unterkomplexität vor, wenn es um pragmatische Lösungswege geht. "Dagegen" sein ist der erste (halbe) Schritt (Occupy). "Für" etwas sein der nächste (halbe) Schritt (Partei IP Schweiz, die ihre Werte proklamiert). Aber auch einen gangbaren und realistischen Weg zu beschreiben, wie man von A nach B kommen kann, der die Perspektiven so vieler Akteure wie möglich in dieser Frage mit einbezieht - ohne, dass er voraussetzt, dass jeder pluralistische oder gar integrale Werte teilt - DAS ist die große Kunst integraler Lösungen.

Simultanpolitik (Simpol)

Und genau deswegen finde ich John Bunzl mit Simpol so gut. Man muss im Außen (OR und UR) intelligente , integral informierte Strukturen vorgeben, die den 1st tier- Menschen kaum eine andere Wahl lassen, als sich zum Wohle des Ganzen durch die Spirale zu bewegen, ohne andere dabei zu schädigen.

"Integrale Killer-Apps"

Ich glaube, dass es ein allgemeines Merkmal künftiger "integraler Killer-Apps" sein wird, dass sie nicht von den Menschen verlangen, dass sie auf irgendeiner bestimmten Ebene sein müssen, sondern über die rechtsseitigen Quadranten einen Selektionsprozess und eine konkrete materielle Struktur / Regeln / Gesetze / Prozesse vorgeben, der die Menschen ihren entwicklungsmäßigen Fähigkeiten gemäß in die übergreifenden Strukturen einbindet - zum Wohle des größeren Ganzen (vgl. auch Holacracy).

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Dienstag, Januar 18, 2011

„Little Brother is watching you“



Das Phänomen WikiLeaks aus Integraler Sicht
-von Dennis Wittrock
aus: Magazin "Integrale Perspektiven", Ausgabe 18, März 2011


Mit spektakulären Veröffentlichungen einer rauen Menge von als „Top Secret“ eingestuften Daten, im jüngsten Fall von rund 250.000 diplomatischen Depeschen der amerikanischen Regierung, katapultierte sich die Webseite „WikiLeaks“ und ihr Gründer und Galionsfigur Julian Assange, über Nacht zu einem Global Player der Weltpolitik. WikiLeaks macht eine Menge Wellen und das Imperium schlägt zurück. Eine Bestandsaufnahme der Ereignisse, gepaart mit einer integralen Analyse eines Zeitgeist-Phänomens der Internet-Ära.
Angela Merkel ist „wie Teflon“ und Außenminister Westerwelle wird als „eitel und inkompetent“ charakterisiert. Was man da aus offiziellen Depeschen des US-Botschafters in Berlin entnehmen kann, scheint die Aufregung um WikiLeaks auf den ersten Blick nicht zu rechtfertigen. „Das ist nicht gerade neu“ oder „Das hätte ich auch Ihnen auch sagen können“ sind die wohl meistzitierten Reaktionen. Doch ein Blick auf die Hintergründe offenbart rasch die Brisanz und die Dimension der Enthüllungen der umstrittenen Internet-Plattform. Stellen Sie sich vor, Sie sollen eine öffentliche Rede halten, die weltweit live im Fernsehen übertragen wird. Als Sie ans Mikrofon treten wollen, kommt jemand von hinten und zieht Ihnen Ihr komplettes Beinkleid blank. So ungefähr muss sich Hillary Clinton gefühlt haben, als offenbar wurde, dass WikiLeaks eine viertel Million klassifizierter Dokumente für jedermann einsehbar im Internet veröffentlicht hat. Spätestens da waren die Augen der Weltöffentlichkeit auf WikiLeaks gerichtet. (Die Namensähnlichkeit mit „Wikipedia“ geht übrigens stark zum Leidwesen der beliebten Internet-Enzyklopädie, die es schwer hat, sich in der öffentlichen Sphäre von Assanges Aktivitäten abzugrenzen.) Es folgt der Versuch einer Rekapitulation der wichtigsten Stationen, die bis zu diesem spektakulären Coup geführt haben.

Eine Chronik der rasanten Geschichte von WikiLeaks
Schon in seiner Jugend war der gebürtige Australier Julian Assange ein begabter Hacker, dem bereits zu Beginn der Internet-Ära das Kunststück gelang, in den Zentralcomputer der NASA und des US Militärs einzudringen. Früh erkannte er das Potential des Internets für sozialen Aktivismus und gründete 2006 seine Plattform WikiLeaks. Hier sollten „geleakte“, also durchgesickerte Geheiminformationen, die von öffentlichem Interesse und gesellschaftlicher Relevanz waren, von Informanten anonym hinterlegt und später veröffentlicht werden. Als sein Projekt immer mehr Know-How und Ressourcen erforderte, arbeitete er mit dem deutschen „Chaos Computer Club“, darunter Daniel Domscheit-Berg zusammen. Die ersten „Leaks“ waren unter anderem Informationen, die einen ausschlaggebenden Einfluss auf den Ausgang eines Wahlkampfes in einem afrikanischen Land hatten, sowie Enthüllungen, die WikiLeaks von Aussteigern innerhalb von Scientology zugespielt wurden.
In 2009 sorgte die Veröffentlichung interner Dokumente der isländischen Kaupthing Bank, die später tief in der Finanzkrise verwickelt war, für Wirbel. Fünf Minuten vor Sendetermin landete eine Verfügung auf dem Tisch des Nachrichten-Moderators, dass der geplante Bericht darüber im isländischen Fernsehen nicht gesendet werden sollte. Statt dessen zeigten sie kurzerhand einen Screenshot von WikiLeaks mit der Aufforderung, dass sich die Zuschauer selber auf der Webseite informieren sollten. Dies führte zur nationalen Popularität der Webseite in Island. Assange und sein Mitstreiter entwarfen spontan einen Gesetzesentwurf, der dafür sorgen sollte, dass Islands Mediengesetzgebung das Land in ein Äquivalent dessen verwandeln sollte, was die Cayman Islands für Geldwäscher sind: eine sichere Insel für investigativen Journalismus. Das isländische Parlament nickte den Vorschlag ab.
Der erste globale Paukenschlag kam im April 2010, als WikiLeaks das Video „Collateral Murder“ veröffentlichte. Auf dem Clip ist zu sehen, mit welcher Menschenverachtung US-Soldaten im Kampfeinsatz harmlose Passanten aus sicherer Entfernung aus einem Kampfhubschrauber niedermetzeln. Die Presseagentur Reuters, deren zwei Mitarbeiter bei dieser Aktion ums Leben kamen, hatte sich zuvor vergeblich um die Herausgabe des Videomaterials bei den amerikanischen Militärs bemüht. Die Bilder gingen um die Welt. Im Juli 2010 veröffentlichte WikiLeaks die Kriegstagebücher aus Afghanistan, eine Sammlung interner militärischer Aufzeichnungen, die die Grausamkeit und Absurdität des Kriegsgeschehens in akribischem Detail dokumentieren. Darauf folgten die Kriegstagebücher („War Logs“) aus dem Irak, mit 391.832 Berichten die bis dato größte Menge veröffentlichter Geheimdokumente überhaupt. Neu war zu diesem Zeitpunkt die strategische Kollaboration mit renommierten Medienpartnern, dem britischen „Guardian“, der „New York Times“ und „Der Spiegel“. Die schiere Masse der sensiblen Informationen überstieg die editorialen Kapazitäten des WikiLeaks-Teams. Gleichzeitig erreichte Assange mit seiner spektakulären Publikation über die Kanäle etablierter Presseorgane (international konkurrierende Redaktionen kollaborieren erstmals zur Aufarbeitung des Materials) eine enorme Aufmerksamkeit für das Anliegen seiner Organisation- was letztlich den finanziellen Support der Non-Profit-Organisation durch Spenden sichern sollte. Im Laufe des Jahres 2010 veröffentlichte seine Internetplattform mehr geheime Dokumente als die gesammelte Weltpresse zusammen. (Assange kommentiert dies in einem Interview als Armutszeugnis für die Presse, die ihrem investigativen Auftrag nicht genügend nachkomme.) Die „Cablegate-Affäre“ mit den diplomatischen Depeschen setzte der Veröffentlichungsoffensive die Krone auf.

Das Imperium schlägt zurück
Zwischenzeitlich wurde der US-Soldat Bradley Manning in Untersuchungshaft genommen, der WikiLeaks angeblich die Geheimdokumente übermittelt haben soll. In einem Chat hat er sich offenbar dem Falschen anvertraut und muss nun mit dem Schlimmsten rechnen, bis ihm vor einem Militärgericht der Prozess wegen Hochverrats gemacht wird. Menschenrechtsorganisationen berichten, dass er derzeit (Jan 2011) unter menschenverachtenden Bedingungen in Isolationshaft festgehalten wird. Die US-Regierung übt massiven Druck aus, um die Aktivitäten von WikiLeaks zu unterbinden, insbesondere, um die Geldströme zu kappen. Amazon weigert sich, WikiLeaks weiter auf seinen Servern zu hosten, PayPal friert Spendenkonten zur Unterstützung von WikiLeaks ein, Mastercard, Visa, die Schweizer Postfinance, sowie die Bank of America (über die Assange weitere Enthüllungen in 2011 angekündigt hat) stellen ihre Dienste in Bezug auf WikiLeaks ein und begründen dies weitgehend mit Verstoß gegen Ihre Geschäftsbedingungen. Die chaotisch organisierte Hacker-Gruppierung „Anonymus“ bläst mit DDOS (Distributed Denial of Service) –Attacken zum Gegenangriff und legt in der „Operation Payback“ durch massenhafte Anfragen vorübergehend diverse Webseiten lahm, darunter auch Mastercard.
Die Obama-Administration sucht indes fieberhaft nach einer Gesetzesgrundlage, aufgrund dessen sie Assanges Aktivitäten kriminalisieren kann. WikiLeaks versteht sich als journalistische Organisation, deren investigative und publizistische Aktivitäten unter den Schutz des Verfassungszusatzes der Pressefreiheit fallen – was seit jeher eine zentrale Säule der amerikanischen Demokratie war und ist. Da sie selber keine sensiblen Daten entwendet, sondern lediglich von anonymen Informanten entgegennimmt und publiziert, bzw. an die Presse übermittelt, tut sie etwas, das auch die „New York Times“ tut, oder zumindest tun sollte. Letztere gerät selber unter öffentlichen Druck durch die Kooperation mit WikiLeaks, beruft sich aber ebenfalls auf das First Amendment der amerikanischen Verfassung. Amerika ist in der Zwickmühle. Nationale Sicherheit oder Pressefreiheit? Die konservative Propaganda-Maschinerie läuft heiß. Sarah Palin (deren gehackter Email-Account bereits 2008 auf WikiLeaks zu lesen war) ordnet WikiLeaks derselben Kategorie zu wie die Taliban und fordert Assanges Verfolgung. Der prominente US Politiker Mike Huckabee fordert öffentlich die Hinrichtung Assanges. Fox-News Kommentator Bob Beckel ruft öffentlich dazu auf „den Hurensohn auf illegale Weise“ zu erschießen.

Vergewaltigungsvorwürfe gegen Assange
Den US-Behörden spielt ein internationaler Haftbefehl in die Karten, den eine schwedische Richterin gegen Assange ausstellt. Assange soll in Schweden zwei Frauen gegen ihren Willen zu ungeschütztem Sex ohne Kondom, ein Straftatbestand nach schwedischem Recht, gedrängt haben. Die Frauen wandten sich vor Ort an eine lokale Polizeistation, gaben aber an, dass sie den Geschlechtsverkehr eingewilligt hatten und sich aktuell auch nicht von Assange bedroht fühlten. Ein erster Haftbefehl wurde von der zuständigen Staatsanwältin wegen Geringfügigkeit fallengelassen. In der Darstellung von „Der Spiegel“ hatte Assange, dem neben seinem exzentrischen Charakter eine gewisse Promiskuität nachgesagt wird, eine Dreiecks-Affäre mit den beiden Frauen, welche, nachdem diese aufgeflogen war, sich dann angeblich aus Rache gegen Assange solidarisiert haben und an die Polizei getreten sind. Assange spricht von einer „Schmierkampagne“ gegen seine Person.
Einige Zeit später wird ein zweiter internationaler Haftbefehl ausgestellt, dieses Mal von einer anderen Richterin in einem anderen Ort. Assange, der sich in England befindet, meldet sich auf der Polizeistation, um zu mit den schwedischen Behörden zu kooperieren, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen und die konkreten Inhalte der Vorwürfe gegen ihn zu erfahren. Diese werden ihm nicht mitgeteilt. Stattdessen wird er unvorbereitet in Gewahrsein genommen, mit der Begründung, dass akute Fluchtgefahr bestehe. Er befürchtet eine Auslieferung nach Schweden, von wo aus er weiter in die USA ausgeliefert werden kann, wo er wiederum nach eigenen Angaben kein faires Verfahren gegen seine Person erwartet. Der Prozess gegen Assange trifft auf breites Medieninteresse. Prominente Unterstützer zahlen die nötige Kaution und Assange wird gestattet, unter Hausarrest mit elektronischer Fußfessel und täglicher Meldepflicht, auf dem Anwesen eines Unterstützers auf den weiteren Verlauf des Auslieferungsverfahrens zu warten.

Die Hydra der „Mirror“-Seiten und Assanges „Lebensversicherung“
Der Natur des Internets gemäß, gingen die Versuche der US-Administration, den Flaschengeist der digitalen Information wieder zurück in die Flasche zu zwingen, komplett nach hinten los. Hunderte Sympathisanten spiegelten die Inhalte der gesperrten www.WikiLeaks.org Domain auf sogenannte „Mirror“-Seiten. Wie die mythologische Hydra, der an der Stelle eines abgeschlagenen Kopfes zwei neue wachsen, schießen ständig neue Kopien von WikiLeaks und zahlreicher neuer, von ihr inspirierter Seiten, z.B. „OpenLeaks“ (ein Projekt von Domscheit-Berg) aus dem Boden – was die Zensurbemühungen der US-Behörden als geradezu naiv aussehen lässt.
Außerdem wird derzeit im Internet eine „Lebensversicherung“ in Form einer hochgradig verschlüsselten „Informations-Atombombe“ bzw. „Giftpille“ mit hochgradig sensiblen Dateien in mehren Gigabyte Umfang auf mehreren Servern hinterlegt. Sollte Assange Gewalt zugefügt werden – so die Drohung – werde der Schlüssel veröffentlicht und die Information auf einen Schlag zugänglich werden. Die Story liest sich wie ein Agententhriller aus der Feder eines Hollywood-Regisseurs. Wie stellt sich aber das Ganze nun durch eine integrale Brille betrachtet dar?

Lesen Sie den kompletten Artikel im Magazin "Integrale Perspektiven", Ausgabe 18, März 2011
Bezug unter www.integralesforum.org

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Montag, November 29, 2010

Fragment, 23.11.2010

Heute ist nicht "Dienstag".
Dies ist nicht "Bremen".
Ich sitze nicht im "Café".

Ich bin erwacht aus allen Illusionen, aus dem Gefängnis der Sprache. Getürmt, über alle Berge. Über allen Bergen weht der Wind, hinein in das Offene. Der Versuch den endlosen Raum in einer Streichholzschachtel unterzubringen
...ist gescheitert.

Dein Name ist nur eine Geschichte. Nur eine Geschichte, aufgeschichtet aus dem Sand vergangener Ereignisse. Die Tür stand jederzeit offen. Ich gehe jetzt nach Hause, wo ich bin. Komm mit, du bist schon da. Lass uns das Spiel tektonischer Platten beobachten und mit den Walen tauchen.

Hinter der Tür ist eine Tür. Sie führt ins Leere. Ich fasse mir ein Herz und springe. Der Spiegel zerbricht, die Splitter formen mein Antlitz. Lass sie sinken in die leuchtende Transparenz. Ich verfolge den Schatten zurück bis zur Lichtquelle. Dort wartest du und lächelst mich an. Mein Gott, es kommt mir vor wie eine Ewigkeit. Ich sollte Recht haben. Es gibt nichts mehr zu verbergen, alles ist offensichtlich.

Nichts ist so nutzlos wie eine Blume. Komm, ich stecke dir eine ins Haar. Wir starren in den Himmel, der Himmel starrt in uns. Als ob ich es geahnt hätte, gibt es nichts zu sagen. Wir reden, bis der Morgentau auf unseren Wimpern glitzert. Die Zeit springt in die Luft vor Glück. Alles könnte so schwierig sein, aber ich habe vergessen, wie das geht. Das Gewöhnliche ist mehr als genug. Jedes Detail verströmt diese Liebe. Ich bin gebadet in Soheit, das Licht ist unerträglich.

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Samstag, Oktober 23, 2010

"Was ist Liebe?" - The B-Sides


Im Phänomen-Verlag ist vor kurzem ein interessantes Buch erschienen mit dem Titel "Was ist Liebe? - Eine integrale Anthologie über die Facetten der Liebe ". Es ist eine Anthologie, mit einem - wie soll ich sagen - seeeehr interessanten Line-up von Autoren, als da wären: Erich Fromm, Papst Benedikt, Andrew Cohen, Genpo Roshi, Michael Habecker, Ken Wilber, Tom Amarque, u.a. Interessanterweise hätte da auch fast "Dennis Wittrock" auf dem Buchdeckel gestanden. Es gibt sogar einen Text dazu, nur leider habe ich ihn in einer Zeit geschrieben, wo ich eben genau das nicht hatte: Zeit. Als ich ihn Tom vom Phänomen-Verlag endlich zuschickte, bekam ich ihn mit dem Kommentar zurück, dass er in vielen Ansätzen gut, aber irgendwie im Blog-Stil geschrieben sei, ob ich ihn nicht noch mal überarbeiten wolle. Ich war gewillt, habe aber wegen anderer Verpflichtungen am Ende doch aufgegeben. Als das Buch nun erschienen ist, dachte ich mir: Wenn es ein Text im Blog-Stil ist, kann ich ihn ja zumindest auf meinem Blog veröffentlichen, was läge näher. Ich mag den Gedanken, dass er - vergleichbar mit den Alben von Musik-Stars - sozusagen als "B-Side" möglicherweise doch noch seine Würdigung erfährt, bzw. in Würde alt werden darf. Ich habe ihn als PDF unter dem folgenden >>Link<< abgelegt. Viel Spaß beim Lesen! Unter uns gesagt: Man kann sich nach der Frage nach dem Wesen von Liebe nahezu nicht nicht irgendwie blamieren, probiert es mal selber aus.

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Donnerstag, September 23, 2010

Die integrale Stimme finden

Auszug aus dem Bericht von der zweiten Integral Theory Conference 2010 bei San Francisco. Der ganze Bericht ist veröffentlicht im Online Journal "integral informiert", Ausg. 25, erhältlich über www.integralesforum.org.

Jordan Luftig: „Aufbau einer Bewegung durch Meta-Erzählung: Ein ideologischer Ansatz zur Inszenierung einer integralen Zukunft“

-von Dennis Wittrock, August 2010


Jordan Luftig arbeitet an der JFKU und forscht für das Integral Research Center. Für das Journal of Integral Theory and Practice (JITP) hatte er einen gleichnamigen Artikel geschrieben, den er nun in leicht abgewandelter Form präsentierte. Ursprünglich hatte er im Kontext von Jim Garrisons globaler Leadership Kampagne („State of the World Forum“) daran geforscht, wie man Menschen für integrale Ideen im Umgang mit der Klimakrise begeistern kann. Das Ergebnis seiner Forschung hat aber darüber hinaus Implikationen für die Kommunikation integraler Ideen in der Öffentlichkeit im allgemeinen.

Da ich selber in großem Maße ähnliche Ziele teile und mit Freunden und Kollegen im deutschsprachigen Raum verfolge, interessierte mich diese Präsentation besonders. „Wie bringen wir ein integrales Zeitalter hervor?“ Diese Frage treibt auch Jordan Luftig um. Über die beiden Standardantworten, Entwicklung integraler Theorie und Entwicklung integraler Anwendungen in der Praxis, sagte er, dass er sie zwar für ungemein wichtig, aber dennoch für unzureichend halte. Seiner Ansicht braucht es eine soziale Bewegung, die aus einer integralen Ideologie gespeist wird. Wir müssen die Politisierung der integralen Theorie umarmen und voranbringen.

Wie bitte? Politisierung der integralen Theorie und „integrale Ideologie?“ Mit Ideologie verbinden wir gemeinhin etwas Negatives, ein emotional aufgeladenes, mit Mythen unterfüttertes Glaubenssystem. Karl Mannheim unterschied 1936 zwischen zwei Formen von Ideologien: partikuläre und totale Ideologien. Erstere Definition bezieht sich auf die bestimmten Ansichten einer Partei oder Interessengruppe, z.B. Kommunismus. Letztere hingegen bezieht sich auf die charakteristische Denkweise einer ganzen Klasse oder einer historischen Epoche - Beispiele sind mittelalterliches Denken oder Modernismus.

In Luftigs Worten: „Wenn man es in integrale Begriffe übersetzt, dann besitzt eine partikuläre Ideologie die „wir-gegen-sie“ Mentalität, die das Denken innerhalb aller Weltsichten des ersten Ranges charakterisiert. Eine totale Ideologie dehnt das Konzept der Ideologie so weit, dass sie das Denken über eine Weltsicht bedeutet, egal ob erster Rang (z.B. bernstein-mythisch, orange-rational) oder zweiter Rang (z.B. petrol und türkis-integral) oder höher. In diesem letzteren Sinne ist die AQAL-Integrale Gemeinschaft von einer Ideologie angetrieben – Integralismus – und redet die ganze Zeit über Ideologien!“

Was leisten Ideologien? Sie destillieren die zentralen Aspekte einer Weltanschauung oder Theorie, brechen Sie in verständliche Einheiten herunter und motivieren Menschen zu konkreten Handlungen in der Welt. Wenn man mal über ihren schlechten Ruf hinwegsieht, der ihnen wegen ihrer partikulären Varianten anhängt, sind sie sehr kraftvoll und bewegen eine Menge in der Welt. Jordans Überzeugung ist, dass das Integrale ein um Vieles würdigerer Kandidat dafür ist, eine Ideologie zu sein, als jedes andere Gedankensystem. Ideologien sind die Basis für kollektive Identität und kollektives Handeln.

Er charakterisierte die Injunktionen seines ideologischen Ansatzes wie folgt:
1. Lasse dich in den Geist und das morphische Feld von Ideologie einsinken
2. Benutze Ideologie als konzeptuelle Linse und heuristisches Mittel
3. Grabe im Integralen – der Theorie und Gemeinschaft – nach Ideen, um der integralen Bewegung beim Wachsen zu helfen und die Gesellschaft zu transformieren.

Als nächstes führte er das Konzept der Meta-Erzählung ein. Das ist nicht identisch mit Meta-Theorie, wie man denken könnte. Auch bedeute es nicht, die Leute dort abzuholen, wo sie stehen. Das ist den meisten als integrale Kommunikationsstrategie schon in Fleisch und Blut übergegangen. Der Nachteil ist, dass wir als Integrale dabei mit unserer Position unsichtbar werden und unsere eigene einzigartige Stimme opfern. Eine weitere Art, wie wir unsere Stimme preisgeben, ist, wenn wir ausschließlich mit der Stimme des neutralen Modells sprechen, der „Stimme des wahlfreien Gewahrseins“.

Wilber sagt an mehreren Stellen, dass AQAL im Prinzip ein inhaltsleerer Rahmen ist, den wir selber mit Inhalt füllen können. Jordan kontrastierte das mit Wilbers anderer Stimme, die ebenfalls oft bei ihm durchschlägt, so z.B. in Eros, Kosmos, Logos, wo er passioniert Partei gegen die vorherrschende Flachland-Weltsicht ergreift. Dies ist die andere Stimme, die narrative Stimme, bzw. die „Stimme der Wahl“. Beide Stimmen sind wichtig, doch wenn wir die narrative Stimme vernachlässigen, was Jordan zufolge in der integralen Bewegung derzeit geschieht, werden wir niemals eine breitere Masse von Menschen erreichen und bewegen können.

Ein Mensch, der das in der jüngeren Vergangenheit getan hat, war Barack Obama. Entsprechend hat Jordan dessen Strategie genauer unter die Lupe genommen. Er fand heraus, dass die Menschen, die sich für seine Nominierung einsetzten, in „Camp Obama“ gelehrt wurden, drei verschiedene Geschichte zu erzählen:

1. Die Geschichte des „Selbst“
2. Die Geschichte von „uns“
3. Die Geschichte des „jetzt“

Dieser Ansatz des public narrative geht auf Marshall Ganz zurück, der ihn als eine Leadership-Kunst bezeichnet. Integralisten erkennen darin unschwer die Großen Drei (Ich, Wir, Es) wieder. Es ist eine integrale Weise des Geschichten-Erzählens.

Doch wie sieht es in der integralen Gemeinschaft selbst aus? In Jordans Worten: „Basierend auf meinen Erfahrungen sind integrale Leader schnell bei der Hand damit die Geschichte des jetzt, über den Zustand der Welt zu erzählen, begleitet von der Geschichte davon, wie wir zusammenkommen müssen, um die planetaren Probleme zu lösen[...].Möge es so sein und mögen wir so sein. Was ist mir dir und „Ich“? Die Geschichte des Selbst wird oft vernachlässigt oder wird nicht erzählt.“

Warum auch immer das so ist - das entspricht auch meiner Erfahrung. Mit einem Zitat von Marshall Ganz machte er deutlich, warum das Auslassen der Geschichte des Selbst unsere Glaubwürdigkeit untergräbt: „In persönlichen Begriffen bedeutet das, dass die meisten Teilnehmer sowohl Geschichten haben über den Schmerz der Welt als auch die Hoffnung der Welt. Und wenn wir zuvor noch nicht gelernt haben, über unsere Geschichten des Schmerzes zu sprechen, kann es eine Weile dauern zu lernen damit umzugehen. Doch wenn andere versuchen zu verstehen warum wir tun, was wir tun – und wir dieses Stück auslassen – wird unser Bericht Authentizität vermissen lassen, was Fragen über den Rest der Geschichte aufkommen lässt.“

Die Kunst der Führung ist also eng mit der Fähigkeit verbunden andere Menschen durch das eigene Beispiel zu berühren und dadurch Glaubwürdigkeit auszustrahlen – ein Mensch zu sein, mit dem man sich identifizieren kann. Das ist die Kraft der Geschichte des Selbst und eine der zentralen Botschaften, die ich persönlich von der ITC mit nach Hause nehme. Ich muss meine /wir müssen unsere eigene integrale Stimme finden und ausdrücken. Das ist nicht die neutrale Stimme des wahlfreien Gewahrseins, die im öffentlichen Diskurs chamäleongleich verschwindet, sondern die passionierte Stimme der Wahl. Ich kann es mir buchstäblich nicht leisten, mich dabei ständig hinter großen Denkern, umfassenden Theorien und hehren weltzentrischen Idealen und dem „höheren Wir“ zu verstecken, sondern muss lernen mitzukommunizieren, was mich persönlich antreibt all diese Dinge zu tun - die evolutionäre Verantwortung auf mich zu nehmen, die oftmals undankbare Pionierarbeit zu leisten, Karriereentscheidungen gegen den Strom der Gesellschaft zu treffen, meine Beziehungen aufs Spiel zu setzen, meine Familie zu irritieren, zwischen allen Stühlen zu sitzen. Sonst können mich die Menschen nicht spüren und mir nicht vertrauen.

Was ist es, was ich am Integralen so unendlich kostbar finde und warum? Was ist es, wofür ich Ken Wilber und anderen so unendlich dankbar bin? Welche zarten Hoffnungen nähre ich in meinem Herzen? Worunter leide ich, wenn ich etwas als weniger als integral wahrnehme? Was sehe ich als das strahlende Versprechen und erstrebenswerte Ziel des integralen Bewusstseins? Wie kann ich meine eigene Erschütterung über den Grad der Fürsorge und Mitgefühls des integralen Bewusstseins wenigstens als Nachbeben spürbar machen? Wie kann ich mein brennendes Verlangen, die höhere Wahrheit, Schönheit und Güte der integralen Vision mit anderen Menschen zu teilen, kommunizieren, ohne dass es kitschig oder pathetisch klingt? Wie kann ich meiner Dankbarkeit Ausdruck verleihen an diesem Wissen teilhaben zu dürfen und wie kann ich der damit einhergehenden Verantwortung gerecht werden?

Das sind Fragen, die mich persönlich umtreiben und die vielleicht ein guter Einstiegspunkt in eine kontinuierliche Praxis sind, um zu lernen die Geschichte des Selbst zu erzählen. Wer bist Du? Warum liest Du solche Berichte? Was hat das mit Dir, Deinem Schmerz und Deinen Hoffnungen zu tun? Tritt hervor und zeig Dich – wir und die Welt brauchen Dich!

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Donnerstag, September 09, 2010

4Q Praxis

Was kann man konkret tun, wenn man integraler leben will?

Als Anfangspunkt kann man damit beginnen, sich folgende Fragen zu stellen, um sein Gewahrsein für die Quadrantendimensionen zu schärfen, in die man eingebunden ist:

Ein solcher regelmäßiger Scan kann sicher nicht schaden und macht einen bestimmt aufmerksam darauf, welche Dimension man gerade vernachlässigt. Die Liste ist natürlich beliebig erweiterbar und Feedback ist willkommen.

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Dienstag, September 07, 2010

Integral 2.5

Bericht von der zweiten internationalen Integral Theory Conference 2010 in San Francisco
- Auszug aus dem Online Journal "integral informiert", Ausgabe 25

von Dennis Wittrock, August 2010

Was und wer ist die internationale integrale Bewegung? Gibt es sie überhaupt, oder ist sie vielmehr nur ein elitäres Unterfangen? Welchen Einfluss hat sie in der, bzw. auf die akademische Welt? Wie reif ist das Feld? Hat es sich von der Person Ken Wilber differenziert? Welche neuen Ansätze, Anwendungsbeispiele und Durchbrüche gibt es? Diese und andere Fragen hatte ich im Gepäck, als ich mich auf den langen Weg durch zahlreiche Zeitzonen nach San Francisco machte. Zum zweiten Mal überhaupt fand dort vom 29.07.-01.08. die ITC an der JFK University in Pleasant Hill statt.

Bild: Campus an der JFK University, Pleasant Hill, CA

Der Titel der Konferenz lautete „Enacting an Integral Future“. „Enactment“, zu deutsch etwa „Inszenierung“ bedeutet im Kontext der integralen Theorie und Praxis, dass unsere Erfahrung der Wirklichkeit nicht in irgendeiner vorgegebenen Form herumliegt, sondern, dass wir sie durch unsere Erkenntnisbemühungen und Praktiken aktiv co-kreieren und mit hervorbringen. Mit über 100 Referenten, 77 Einzelpräsentationen, 15 Panels, 16 Workshops im Vorprogramm und 24 Poster-Präsentationen war eine beeindruckende Bühne vorbereitet worden, auf der die über 500 Teilnehmer aus der ganzen Welt nun gemeinsam den nächsten Schritt einer integralen Zukunft inszenieren konnten.

Ich war bereits am Montag in San Francisco eingetroffen, um meinem Körper genügend Zeit zu geben anzukommen, so dass ich das volle Programm am folgenden Wochenende bewältigen konnte. Über meinen alten Freund, John Dupuy, aktiv in der Integralen Suchtgenesung, war mir der Kontakt zu Adam Gorman, derzeit Doktorkandidat an der JFKU, vermittelt worden. Ganz im Geiste von ILP gingen wir direkt nach meiner Ankunft ins Fitnessstudio und praktizierten morgens gemeinsam Meditation, was meinen Jetlag offensichtlich minimierte.

Mittwoch: Abend mit Steve McIntosh @ Bay Area Integral


Bild: Steve McIntosh beim Vortrag

Nach etwas Sightseeing am Dienstag wurde ich auf einen Event am Mittwoch Abend aufmerksam, den die lokale Bay Area Integral Gruppe mit dem integralen Philosophen Steve McIntosh veranstaltete, der anlässlich der ITC in der Gegend war. Terry Patten gab als Gastgeber eine kurze Einführung und danach präsentierte McIntosh unter dem Titel „Fortschritt und Ziel der Evolution“ eine Zusammenfassung der Kernthesen seines neuen Buches. Demnach ist Evolution im wesentlichen ein dialektischer Prozess, der von der Erzeugung und Verwirklichung immer höherer Werte angetrieben wird. McIntoshs Strategie besteht darin, mit seinem Buch vor allem Menschen anzusprechen, die der modernen Weltsicht anhängen und zu zeigen, welche Indizien sich alleine aus der Wissenschaft für eine Entwicklungssicht ableiten lassen, die beim Big Bang beginnt, sich im Bereich der Materie und des Lebens fortsetzt und schließlich auch das Feld des Geistes und der Kultur umfasst. Ihm zufolge ist z.b. eine emergente Qualität auf der Ebene des Lebens (Biosphäre) die Fähigkeit von Organismen - wie rudimentär auch immer - Intentionen zu folgen und evaluative Entscheidungen zu treffen. Diese Fähigkeit hat einen konkreten Überlebenswert. Dies gelangt zur Blüte in der menschlichen Kultur (Noosphäre), in der das Werte-Trio des Wahren, Schönen, Guten als evolutionärer Attraktor wirkt. McIntoshs Buch soll bald in den USA erscheinen.

Donnerstag: „Wer sind wir?“ – von Pitirim A. Sorokin zu Integral 2.5

Die Konferenz begann am Donnerstag mit 14 Pre-Conference Workshops. Ich besuchte zunächst eine halbtägige Einführung in Holacracy mit Brian Robertson, weil ich neugierig war, welche Aspekte seiner integralen Praxis für Organisationen er diesem speziellen Publikum nahebringen würde. Außerdem schaute ich mir einen Workshop mit Marilyn Hamilton und Cherie Beck an, die die Linsen von integraler Städteplanung und Mustern wiederkehrender Generationszyklen auf die Gesundheit von Städten und Kommunen anwendeten.

Bild: Mark Forman, Sean Esbjörn-Hargens & Jordan Luftig

Am Abend gab es dann die feierliche Eröffnung der Konferenz im Hilton-Hotel. Die Haupt-Organisatoren der Konferenz, Sean Esbjörn-Hargens und Mark Forman, sowie David Zeitler gaben eine Einführung in die Thematik. Sean eröffnete breit indem er die Frage aufwarf „Wer sind wir?“ und „Wie werden wir in tausend Jahren auf diese Konferenz zurückblicken?“ Er betonte, dass die konkrete Anwendung der Theorie in der Praxis der Litmus-Test sei und dass die ITC alle zwei Jahre als eine Art Check-In dienen könne, bei dem man sehen werde, was in der Zwischenzeit entstanden sei. So schilderte er, dass der notwendige Differenzierungsprozeß des Feldes von der Gallionsfigur Ken Wilber bereits auf der ersten Konferenz 2008 begonnen habe.

David Zeitler ging im folgenden näher auf die Frage „Wer sind wir?“ ein, indem er die Forschungsergebnisse einer Umfrage unter den Konferenzteilnehmern vor zwei Jahren präsentierte. Demnach hatten überdurchschnittlich viele Teilnehmer bereits schon mal mystische Erfahrungen gemacht und waren bewegt von den Themenkomplexen „kulturelle Fragmentierung & Zugehörigkeit“, „ökologische Verwüstung & Erneuerung“ sowie „psychologische Regression & Transformation“. Als wichtigstes Element der integralen Theorie empfanden 47% die Ebenen des Bewusstseins, als am schwierigsten in der Kommunikation mit Fachkollegen aus der eigenen Disziplin zu vermitteln wurde das Element Zustände des Bewusstseins genannt. Insgesamt wurde eine große Bandbreite unterschiedlicher Bewertungen festgestellt, die nahelegen, dass inhaltliche Spannungen im Feld fortbestehen werden. Dieser Sachverhalt wurde als Zeichen einer gesunden, diversen Gemeinschaft gedeutet.

Mark Forman betrachtete die Frage der Differenzierung von Ken Wilber genauer und machte deutlich das die Gleichung integral = Wilber nicht haltbar ist, in dem er sich auf die Suche nach den Fußspuren von Vorläufern machte und betonte, dass es gegenwärtige Alternativen zu AQAL gebe. Nichtsdestotrotz sagte Forman, dass AQAL ein raffiniertes Modell sei und verglich Wilber mit einem Mathematik-Genie, der uns zwar seine Lösung präsentiere, oftmals aber nicht den Weg, wie er dorthin gelangt sei. Er bezeichnete als das Ziel der Konferenz eine wissenschaftlich robuste Sicht des Integralen. Da die akademische Welt Traditionen vertraut und singulären Figuren oftmals misstraut, war es ihm ein Anliegen eine historische Sichtweise aufzuzeigen, wenn auch nur eine vorläufige, schematische:

Geschichte des Integralen

Integral beta: frühe integrale Denker
Integral 1.0: AQAL (1995), Ken Wilber
Integral 2.0: Zusammenwachsen & Anwendung (ITC 2008)
Integral 2.5: Differenzierung, Diversität, Forschung (ITC 2010)

Integral 3.0: eine reife integrale akademische Richtung


Ferner zeigte er fünf Weisen auf, in der das Feld sich von Wilber beginnt zu differenzieren

1) Evidenz
2) Interpretation

3) Anwendung & Betonung
4) Methode
5) Framework

Die ersten drei seien die leichtesten. Wenn man sich auf andere Daten bezieht (1), AQAL anders interpretiert (2), oder durch Anwendungserfahrung andere Aspekte betont (3) ist das wesentlich leichter, als wenn man eigenständig die integrale Methode (4) oder das Framework (5) verändern will. Als drei Herausforderungen hierbei nannte Forman den schieren Umfang des geschriebenen Materials (Sean Esbjörn-Hargens schätzt ihn auf ca. 10.000 Seiten - allein von Wilber - und 10.000 Seiten von anderen), die Schwierigkeit der Anwendung von AQAL und die Schwierigkeit der Schaffung einer Methode für Meta-Research. Eine solche Methode müsse rekonstruierbar machen, warum man welche Aspekte in seine Meta-Theorie aufnimmt, statt nur das Ergebnis des Prozesses zu präsentieren (wie Wilber).

Mark Forman bezeichnete es als große Wende unserer Sichtweise, das Integrale als historische Linie aufzufassen. Ganz in diesem Sinne präsentierte er dann auch einen weiteren – in integralen Kreise bis dato unbekannten – Vorläufer Ken Wilbers: den russisch/US-amerikanischen Soziologen Pitirim A. Sorokin (1889-1968). Dieser begann ebenfalls den Begriff „integral“ zu benutzen und bezog sich unter anderem auf die „drei Kanäle“ von Körper, Geist und Intuition, die jedem Menschen zur Verfügung stehen. Neben diesen und anderen Parallelen zu Wilber hatte Forman auf köstliche Weise herausgearbeitet, wie Sorokin scheinbar ein ähnlich ambivalentes Verhältnis zu seinen Kritikern hatte. Aus zeitgenössischen Berichten seiner Kollegen ging anschaulich hervor wie Sorokin diese gnadenlos zerlegte – Wyatt Earp lässt grüßen. Das darauf folgende Gelächter im Publikum ließ auf eine gesunde Selbstironie im Feld schließen.

In Sean Esbjörn-Hargens Analyse des status quo rangiert die erste ITC 2008 rückblickend unter dem Motto „Liebesfest“, während 2010 für ihn ganz unter dem Zeichen der Differenzierung steht – nicht nur gegenüber Wilber. Er hob vor allem die Arbeiten vom Mark Edwards hervor, dessen Konzept der „Linsen“ er als wegweisend beschrieb. Die fünf Elemente von AQAL können demnach als theoretische Linsen aufgefasst werden, durch die die Welt erschlossen werden kann. Es seien aber noch andere Linsen denkbar, so z.B. die Linse „Macht“, die bei postmodernen Denkern wie Foucault eine zentrale Rolle spielt, jedoch in der integralen Theorie bisher nicht betont wurde (Abgrenzungsbedürfnis gegenüber Postmoderne?). Er fasste die Entkopplung von Ken Wilber und Integraler Theorie in folgendem Diagramm zusammen:



Als Faktoren, die diese Entkopplung begünstigt haben, zählte er Wilbers Krankheit und die damit einhergehende Funkstille seinerseits (lange kein Output mehr), neu hervortretende Stimmen, neue Publikationen, die beiden ITC Konferenzen, sowie Mark Edwards Metatheorie auf.

Als neue Alternative zu Wilber-zentrischen Ansätzen auf der einen und dem „Haufen“ der Wilber-neutralen „Integral studies“ auf der anderen Seite illustrierte Sean Esbjörn-Hargens die dritte Möglichkeit einer Wilber-basierten Position anhand der Metapher eines Baumes. Der Baum wurzelt in der Arbeit integraler Pioniere, wie Gebser, Baldwin, Aurobindo, sein Stamm(-vater) ist Wilber und von dort ausgehend verästelt er sich in die verschiedenen Anwendungen, Erweiterungen und Publikationen. Über ihm schweben Wolken der Kritiker, wie etwa Visser und Edwards, deren Regen nährend wirkt. Man merkt an diesem Bild, wie sehr Esbjörn-Hargens in der Ökologie beheimatet ist. Er plädierte dafür, den integralen Ansatz als „theory of anything“ (statt „everything“) umzutitulieren – also nicht eine „Theorie von allem“, sondern eine Theorie, die auf jeglichen Aspekt der Realität angewendet werden kann.

Den Titel der Konferenz „Enactment“ bezeichnete er als fortwährendes Koan. Es bedeutet die aktive Teilhabe an der Realität, nicht nur deren Abbildung. Zentral dabei seien die Methodologien, das Wie der Inszenierung. Letztlich gehe es um die Praktiken. Und so forderte er die Anwesenden auf, in den folgenden Tagen u.a. folgende Eigenschaften zu praktizieren: Reflexivität, kritischen Dialog, Paradoxien halten, Meta-Sichten einnehmen, Perspektivwechsel, Dialektik...und Großzügigkeit untereinander – wobei letzteres im geläufigen akademischen Diskurs häufig genug ein Fremdwort sei.

Der Einführungsvortrag war der erste Paukenschlag für das, was ein großartiges Konzert werden sollte. Sean Esbjörn-Hargens hatte vorgerechnet, dass bei Berücksichtigung der Kombinationen der zahlreichen Angebote (der Taschenrechner seines iPhones streikte zwischenzeitlich) mindestens 800 Millionen verschiedene Wege denkbar waren die Konferenz zu durchlaufen. Ich war gespannt, was meiner sein würde.

Der komplette Teil 1 des Berichts ist im Online Journal "integral informiert", Ausgabe 25 zu lesen. Erscheint ab September 2010.

Bild: Allan Combs, Terry Patten, Steve McIntosh, Craig Hamilton

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Freitag, Februar 12, 2010

IF-Tagung in Berlin, 18.-20.06.2010


"Aufklärung und Erleuchtung
- Wissen und Weisheit für eine nachhaltige Welt"


Unter diesem Thema wird die Tagung 2010 stehen, die von IF und DIA veranstaltet vom 18. bis 20.06. in der "Werkstatt der Kulturen" in Berlin stattfindet.

Konzept

Im Deutschen hat der englische Begriff „Enlightenment" zwei unterschiedliche Bedeutungen: „Aufklärung" und „Erleuchtung". Beginnend mit der Renaissance und auch schon zuvor bedeutet Aufklärung das kontinuierliche menschliche Streben danach jedes Individuum von der Unwissenheit und Ignoranz zu befreien, um ein besseres Verständnis zu gewinnen, was es heißt ein Mensch innerhalb von Kultur und Natur zu sein – im Bewusstsein der sich ständig weiter entfaltenden Fülle des Lebens. Erleuchtung nimmt Bezug auf das spirituelle und religiöse Erbe der Menschheit, in welchem Männer und Frauen aller Orte und Zeiten ihre Natur als spirituelle Wesen erblicken und die zeitlose und immer schon gegenwärtige Essenz der gesamten Existenz erkennen.

Es ist Zeit beides in einer integralen Umarmung zusammen zu bringen – Aufklärung und Erleuchtung, Wissenschaft und Spiritualität, das Kognitive und das Meditative, Verstehen und Realisation, das Relative und das Absolute – für ein besseres individuelles Leben und eine bessere Zukunft der Menschheit.

Schwerpunkt: Klimawandel & Integrale Ökologie

Deshalb wird ein besonderer Schwerpunkt der Tagung die globale ökologische Krise sein, wie sie vor allem in Form des Klimawandels Gestalt annimmt. Um für unsere Kindeskinder eine nachhaltige Welt hinterlassen zu können, brauchen wir das Beste aus Aufklärung und Erleuchtung- sowohl Wissen, als auch Weisheit. Ein integraler Ansatz, insbesondere Integrale Ökologie, leistet genau das.

Referenten:
  • Ken Wilber, Integral Institute, live per Telefon
  • Zen-Meisterin Diane Musho Hamilton & Rabbi Dr. Marc Gafni, iEvolve
  • Der spirituelle Lehrer Thomas Hübl, AIS- Academy of Inner Science
  • Prof. Dr. Michael E. Zimmerman, Co-Autor des Buches "Integral Ecology"
  • Michael Habecker, Autor, Referent DIA
  • Tom Steininger, Chefredakteur EnlightenNext
  • Sebastian Gronbach, Autor und "spiritueller Dienstleister"
  • Rolf Lutterbeck, integraler Coach, Referent DIA
  • und viele mehr!!
Alle Infos hier: TAGUNGSINFOS

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Dienstag, Januar 19, 2010

Integrieren oder krepieren?


Oder: die Notwendigkeit eines integralen Weltbildes
von Dennis Wittrock


Wo die Not groß ist, da - so sprach schon Hölderlin - "wächst das Rettende schon". Was könnte das Not-Wendende sein angesichts von Finanzkrise, Klimawandel, Terrorismus, Fundamentalismus, drohender Ressourcenknappheit und achselzuckender Hoffnungslosigkeit? Wenn die äußeren Lebensbedingungen tatsächlich die Frage darstellen, auf die die menschliche Intelligenz immer neue Antworten hervorbringt - was ist dann die Antwort auf Problemlagen, die so komplex sind, dass sie nationalstaatlichen Gebilden mehr und mehr entgleiten?

Man stelle sich vor, dass alle bisherigen Stationen der Menschwerdung (mit allen ihren spezifischen Stärken und Schwächen in unterschiedlichen Bereichen) in diesem Augenblick Krieg miteinander führen - verstärkt durch ein multidimensionales Informationsgeflecht. Perspektiven, die vor einigen Jahrhunderten noch aufgrund räumlicher und zeitlicher Distanzen niemals miteinander in Berührung gekommen wären, prallen im Zeitalter von Massenmedien, modernem Transportwesen und Internet brutal aufeinander, so dass es splittert und die Fetzen fliegen - die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Wem soll man noch Glauben schenken? Was ist richtig und was falsch? Macht es Sinn an dem Begriff "Wahrheit" festzuhalten, oder ist alles ohnehin nur Produkt kultureller Konstruktion? Ist Gott tot - und falls nicht, was soll das ganze Spielchen auf diesem Staubkorn irgendwo im Universum?

Ken Wilber ist circa 1,90 m groß, glatzköpfig, durchtrainert und hat eine absurde Vorliebe für Red Bull, die so ganz und gar nicht zu seiner langjährigen meditativen Praxis oder zu seiner vegetarischen Ernährung passen will. Er ist... weiterlesen auf www.integral-con-text.de

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Freitag, Dezember 11, 2009

Videos von der IF Tagung 2009

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Donnerstag, Dezember 10, 2009

Video: "Integrale Lebenspraxis" auf Jetzt-TV

"Integrale Lebenspraxis - Leben in Freiheit und Fülle"

In diesem vierten Vortrag von Dennis Wittrock im Rahmen des Integralen Forums geht es um die praktische Anwendung und die Ergebnisse integraler Praxis anhand von Ken Wilber.

Video Teil 1:

Was ist AQAL? Die fünf Komponenten des Modells; die Vier Quadranten; die vier Quadranten im Alltagsleben angewendet; Selbst, Kultur und Natur; alle Dimensionen mit einbeziehen; das Gegenteil von ILP anhand von vier Karikaturen; der Sportler; der Meditierende; der Psychologe; der Philosoph; drei integrale Überzeugungen; die ILP-Module (body, mind, spirit, shadow); warum Praxis im Körper-Modul? Gesundheit/ Fitness; Stärkung des relativen Vehikels; Lebensfreude /Energie

Teil 2:

Warum Praxis im Geist-Modul? Perspektivübernahmen; gute Landkarte der Wirklichkeit; warum Praxis im Seele-Modul?; Weisheit und Mitgefühl; Erwachen; warum Praxis im Schatten-Modul? Destruktive Muster erkennen; regelmäßige Psychohygiene; die Module als Linien der Entwicklung betrachtet; die Zustände des Bewusstseins; die drei Körper (grob, subtil, kausal); Training in den drei Körpern; veränderte Bewusstseinszustände; das Ziel von ILP; Synergie-Effekte durch integrales Cross-Training

Teil 3:

Das Praxis-Büffet ist angerichtet; ein Auswahl von Praktiken der Transformation; Praktiken aus dem Körper-Modul; Fitness; Ernährung; Schlaf; jeweils Scan der aktuellen Praxis: was mache ich bereits?; Praktiken aus dem Geist-Modul; Lesen und Studieren; Diskutieren; Rätsel lösen; Praktiken aus dem Seele-Modul; Meditation; Gebet; 1-2-3 of God; Praktiken aus dem Schatten-Modul; Tagebuch; Psychotherapie, Zwiegespräche; der Schatten des Schatten-Moduls

Teil 4:

ILP-Zusatzmodule; "Warum-Cross-Training?" Einige Beispiele; Empfehlungen des ILP Teams; Praxis und vermeintlicher Zeitmangel; Leitlinien zur Etablierung einer persönlichen ILP; Rahmen: Vorbilder identifizieren; tägliche Kernpraktiken; Synergien nutzen; Intention/ Absicht: Praxis Affirmation, realistische Ziele; Verpflichtung: Vertrag mit sich / Community; Durchhaltevermögen; Sichtbarkeit etablieren; Anpassung der Praxis an Lebensphasen; Entwurf des eigenen Plans; Geduld, Hingabe, Achtsamkeit, Humor und Freude in der Praxis; Suchtgenesung mit ILP; Ergebnisse integraler Praxis anhand von Ken Wilber

->Link zu allen Videos der KW Vortragsreihe auf Jetzt-TV<-


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Sonntag, Dezember 06, 2009

Bei Wilber geht die Liebe durch den Geist


In meiner Arbeit im integralen Feld ist mir schon oft das Vorurteil begegnet, dass die Integrale Theorie, wie sie von Ken Wilber vertreten wird ziemlich verstandesmäßig und daher „verkopft“ sei. Auch hört man immer mal wieder Sätze wie „das ist mir zu kalt, da fehlt mir das Gefühl und die Liebe“. Integrale Theorie ist in diesem Sinne nicht so leicht von jedem Gefühlsdus(s)el im Sturm zu erobern und bedarf gewissermaßen einiger „Liebesmüh“ um in sie einzudringen und ihren Wert erkennen zu können. Der Spruch „Liebe geht durch den Magen“ ist ja hinlänglich bekannt. Ich möchte ergänzen „...und durch den Geist“. Wilbers Liebe geht vor allem durch den Geist. Sie spricht aus der weiten Umarmung der größtmöglich denk- und erfahrbaren Anzahl von Dimensionen, und Perspektiven, die – gereinigt von Nebensächlichkeiten, Absolutismen und Enggeistigkeit – in ihrer Essenz der ganzen Welt anmutig als Geschenk dargeboten werden. Die Anmut spricht aus der Tatsache, dass Wilber uns keinen bloßen Haufen seiner liebsten Wissensfundstücke überlässt, sondern ein exquisites, ineinandergreifendes System, das sowohl ein eigenes Ganzes, als auch ausbaufähig ist.
Soviel zur Liebe, die ich – kunstvoll verpackt im begrifflichen Geschenkpapier – implizit in der integralen Theorie selber wahrnehme.

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Sonntag, November 22, 2009

The Levellers live

vor kurzem habe ich die "Levellers" in Bremen live gesehen. Für alle, die sie nicht kennen hier "Riverflow", einer meiner Lieblingssongs von ihnen aus dem Album "Levelling the Land", live. Die Geige bringt mich voll ins Samadhi...

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Dienstag, November 03, 2009

Über Zen und Un-Zen des Fernsehens

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Dienstag, September 08, 2009

Multinexus Webportal ist online!


Wer sich schon lange gefragt hat, wie die integralen Initiativen in Deutschland eigentlich zusammenhängen und was es eigentlich so alles zu diesem Thema gibt, der bekommt nun durch eine neue Webseite einen guten Überblick:

www.multinexus.org

Der Multinexus ist ein Zusammenschluss und eine Integration derjenigen Organisationen im deutschsprachigen Raum, die den integralen Ansatz (AQAL), wie er massgeblich von dem amerikanischen Philosophen Ken Wilber entwickelt worden ist, bekannt machen und in vielen verschiedenen Bereichen umsetzen wollen.

Im März 2008 trafen sich die Vertreter zentraler integraler Organisation zum "integralen Gipfeltreffen" in Frankfurt und vereinbarten eine stärkere Zusammenarbeit und eine verbesserte Koordination unter dem Leitgedanken der gemeinsamen integralen Vision.

Als ein Ergebnis daraus entstand das Multinexus Internet Portal als die Repräsentation der deutschsprachigen integralen Bewegung in der Öffentlichkeit zum Zweck der besseren Orientierung und Übersicht.

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Dienstag, August 11, 2009

Integrale Impulse auf dem Celebrate Life Festival

Bericht von Dennis Wittrock

Seit 2004 findet regelmäßig das Celebrate Life Festival im Hof Oberlethe bei Oldenburg statt. Gastgeber sind der spirituelle Lehrer Thomas Hübl und die Academy of Inner Science. Unter dem Titel „Consciousnes & Evolution – Awakening into a New Culture“ kamen in diesem Jahr vom 30.07-09.08. insgesamt über 1000 Menschen zusammen, um 11 Tage lang miteinander zu meditieren, zu tönen, zu lernen, zu diskutieren, ihren Schatten zu konfrontieren, zu tanzen und das Leben zu feiern. Das Wetter spielte gut mit und verwandelte das Festival am See zeitweilig in ein Zelt- und Badeparadies.

Neben vor Ort Beitragenden wie Johannes Heimrath (Club of Budapest World Shift Foundation), Scilla Elworthy (PeaceDirect und World Future Council) wurden die Zukunftsforscherin Barbara Marx Hubbard und die Autorin Byron Katie („The Work“) per Skype hinzugeschaltet.


Aus integraler Sicht erfreulich war, dass in diesem Jahr verstärkt explizit integrale Impulse im Programm auftauchten. Der Autor und Wilber-Kenner Michael Habecker (DIA) sprach in seinem Hauptvortrag über „Integrale Spiritualität“ und vertiefte dieses Thema am darauffolgenden Tag in seinem Workshop mit dem selben Titel. Ein Highlight des Festivals war das Telefon-Interview von Thomas Hübl mit Ken Wilber, welches von Max Peschek und Dennis Wittrock übersetzt wurde. Ken antwortete u.a. zu Fragen zur globalen Krisensituation, zum neuen US-Präsidenten Barack Obama, sowie zu spirituellen Missverständnissen in der Satsang-Szene. Den Abschluss bildete ein Workshop von Dennis Wittrock (DIA) mit dem Thema „Integrale Lebenspraxis“ am vorletzten Tag.

Täglich gab es „Sharing the Presence“ und „Toning“ mit Thomas Hübl. Immer wieder bezog er sich auf die Arbeit von Ken Wilber und anderen integralen Denkern. Das Programm des Festivals war so gestaltet, dass es die Module der Integralen Lebenspraxis komplett abdeckte: Yoga (Körper) und Meditation (Spirit) am Morgen, danach mentaler Input durch Vorträge (Geist) und schließlich intensive psychodynamische Arbeit (Schatten) in den Sharings und mit Hilfe der zahlreichen Assistenten des Teams, die man in Einzelsitzungen konsultieren konnte.

Selbst Zusatzmodule von ILP wie der Bereich „Arbeit“ waren durch eine Armada ehrenamtlicher Helfer und den nicht gewinn-orientierten Benefiz-Charakter der Veranstaltung (Spenden für Hilfsprojekte) abgedeckt. Insgesamt kamen ca. 26.000 Euro zusammen, nicht zuletzt auch weil Thomas Hübl den Erlös des Verkaufs seines neuen Buches „Sharing the Presence“ vor Ort zu hundert Prozent spendete. Erwähnenswert ist auch die familienfreundliche und generationsübergreifende Ausrichtung des beliebten Festivals mit Kinderbetreuung und Jugendcamp. Hier werden schon früh Samen der Bewusstheit gesät.

Seien wir gespannt in welche Richtung sich dieses kontinuierlich entwickelnde Festival weiter bewegt. Eines ist klar: das Erwachen zu einer neuen Kultur von Bewusstsein und Evolution hat längst begonnen und zeigt bereits erste Konturen.

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P.S.: Auch die Lokalpresse hat das Festival wahrgenommen. Hier ein link zu einem Bericht aus der Nordwestzeitung (NWZ) ->hier klicken<-

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Freitag, Juli 24, 2009

Das Hochland-Dilemma



Integrale Theorie und Spiritueller Reduktionismus

von Dennis Wittrock

Das Geräusch kratzender Fingernägel an einer Tafel. So ähnlich zog sich in mir innerlich etwas zusammen, als ich das erste Mal den Untertitel der deutschen Übersetzung von „Integral Spirituality“ erblickte. Im Original heisst der Untertitel „Eine überraschende neue Rolle für Religion in der Modernen und Postmodernen Welt“ Stattdessen: „Spirituelle Intelligenz rettet die Welt“. Ok, Wilber formuliert manchmal selber etwas pathetisch, und Verlage müssen Bücher an ihre Zielgruppen verkaufen – aber das ging mir einen Schritt zu weit. Dann der nächste Streich mit der deutschen Version von „The Integral Vision“. Hier lautet der Untertitel „Eine kurze Geschichte der integralen Spiritualität.“ Wieder das gleiche Muster: Spiritualität steht stellvertretend für das, worum es in der integralen Theorie von Ken Wilber geht.

In seinem Buch „Eros, Kosmos, Logos“ (zur Abwechslung mal eine gelungene Titelübertragung) prägt Wilber erstmals den Begriff „Flachland“. Das bezeichnet eine Weltsicht in der Innerlichkeit, Sinn, Tiefe - und somit auch Spiritualität – keinen Platz haben und in der das Universum auf das zufällige Durcheinander von Materie, bzw. „verspielten Schmutz“ reduziert wird. Die „Flachland-Welt“ ist quasi zweidimensional und eine sie durchquerende Kugel wird darin nur als Kreis ohne Tiefe wahrgenommen.

In Bezug auf die Integrale Theorie spielt sich momentan das genaue Spiegelbild dessen ab. Mit einer integralen Brille überwinden wir zwar die Flachland-Sicht, doch manövrieren uns dadurch in das, was ich als das „Hochland-Dilemma“ bezeichnen möchte: die Reduktion der integralen Weltsicht auf Spiritualität und Religion. Da sitzen wir nun auf dem Gipfel der Weisheit und haben endlich den Durchblick in Bezug auf Zustände und Strukturen und schwelgen in den drei Gesichtern Gottes – doch die Welt interessiert das nach wie vor nicht. Auf dem Gipfel der integralen Erkenntnis ist es verdammt einsam und wir erleben hautnah, dass „größere Tiefe [oder hier: Höhe] geringere Spanne“ bedeutet.

Es ist wahr: es gibt wohl kaum eine ausgefeiltere Analyse und Darstellung des Terrains unseres höchsten Selbst, als die Landkarten, die uns Ken Wilber zusammengestellt hat. Es ist wahrhaft der Plan, der uns den Ausbruch aus dem Gefängnis des Samsara ermöglichen kann. Doch es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass gerade die Stärke von Wibers Arbeit auf dem Feld der Spiritualität sich in der Anwendung seiner restlichen Theorie in der Welt als seine größte Schwäche entpuppt.

Wer wie ich versucht hat in der akademischen Welt für den Integralen Ansatz zu werben, weiß wie groß die Vorbehalte in Bezug auf Wilbers starke Auseinandersetzung mit dem Thema „Spiritualität“ sind. Ruck-zuck landet man in der Esoterik-Ecke neben Räucherstäbchen, Feng Shui, „OM“-summenden Spinnern, Tarot-Karten und natürlich Scientology. Da steht man nun mit seinem philosophisch ausgefeiltem Avant-Garde Modell eines „integralem methodologischen Pluralismus“ und erntet die mitleidigen Blicke. Das Hochland-Dilemma ist lediglich die Kehrseite des allgemeinen öffentlichen Flachland-Diskurses, dem dringend die Unterscheidung von prä- und trans fehlt.

In meiner Philosophie-Magisterarbeit habe ich die Formen multi-, inter-, und trans-disziplinärer Kooperationen untersucht. Dabei ist mir ein eklatanter Mangel und ein expliziter Bedarf an übergeordneten Modellen wie Wilbers IMP aufgefallen. Man könnte in diesen Forschergruppen soviel mehr Klarheit darüber schaffen, welche Disziplin welche spezifische Perspektive beiträgt und wie sie alle zusammen passen. So bin ich denn in meiner Darstellung dem Rat eines Freundes gefolgt und habe eine „Theorie von FAST Allem“ anstelle einer „Theorie von Allem“ referiert. Ich habe sehr selektiv zitiert und das Thema „Spiritualität“ weitestgehend ausgeklammert. Im tibetischen Buddhismus nennt man das wohl „Upaya“ – die Anwendung geschickter Mittel.

Wer Wilbers Ordnungskategorien Quadranten, Ebenen, Linien und Typen kennt, der weiß, dass spirituelle Zustände nur ein Bruchteil dessen sind, bei dem uns die integrale Theorie wertvolle Orientierungshilfen geben kann. Wilber sagt zurecht, dass - egal mit welcher dieser fünf Ordnungskategorien man sich nun gerade beschäftigt – jede als die Wichtigste erscheint. John Dupuy beschreibt, dass alleine die Anwendung der vier Quadranten einen Quantensprung für das Feld der Suchtgenesung bedeutet. Das gleiche gilt in Bezug auf integrale Ansätze in Medizin, Ökologie, Politik, usw.

Oder Ebenen für sich genommen – hier ist mein Stoßgebet gen Himmel: „ Oh Herr, steh uns bei und verhilf dem Wissen um Stufen der kognitiven und Werte-Entwicklung zur gebührenden öffentlichen Kenntnisnahme!“ Es kann nicht wahr sein, dass nach Jahrzehnten solider akademischer Forschung seit Piaget dieses Wissen immer noch weitgehend ungenutzt brach liegt. Nimmt man die anderen Elemente hinzu, dann entfaltet sich hier ein überaus kraftvolles neues Paradigma – eine Theorie und eine Praxis, die die Art wie wir miteinander leben und arbeiten revolutioniert.

Leider geschieht das nicht – oder nur sehr zögerlich. Die spirituelle Allergie im unteren linken Quadranten, im kollektiven Diskurs, ist noch zu stark. Die jahrhundertelangen Misstritte der Kirche und das Hitler-Guru-Trauma haben uns mit reichlich Antikörpern gegen jegliche Form von Transzendenz gesegnet. Diesen Umständen sollten wir „Integralisten“ Rechnung tragen, indem wir nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen bei der Darstellung unseres integralen Anliegens. Vielleicht reicht in den meisten Fällen eine „Theorie von FAST Allem“. Wir müssen ja nicht unbedingt gleich "mit spiritueller Intelligenz" die "Welt retten"...

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Donnerstag, Juli 23, 2009

Ken über die Spiritualität von morgen

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Mittwoch, Juli 22, 2009

Video vom Vortrag : "Zustände des Bewusstseins aus integraler Sicht"

Das Video des 3. Teils meiner Vortragsreihe über Ken Wilber ist nun auf dem Satsang-Video Portal www.jetzt-tv.net erschienen. Vielen Dank an Susanne Hahn von Jetzt-TV und alle diskutierfreudigen Teilnehmer.

Zum Betrachten der Video-Serie auf das Bild klicken:

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Donnerstag, Juli 16, 2009

Wilber als "umstrittener Star" auf dem Titelblatt

Die kritische christliche Zeitschrift "Publik-Forum" widmet den Schwerpunkt ihrer Juli Ausgabe (Nr.13) dem Thema "Ken Wilber und die integrale Spiritualität".

In dem gelungenen Artikel "Erleuchtung mit Halbwertszeit" stellt Redakteur Stephan Cezanne die Person Ken Wilber und seine Arbeit überblicksartig und wohlwollend dar. Es folgt ein Gespräch zwischen den IF-Vorständen Hilde Weckmann und Sonja Student ("Eine neue Sicht der Welt"), in welchem sie illustrieren, welchen Einfluss die Begegnung mit dem Integralen Ansatz auf ihr Leben hat. Neben einer kleinen Skizze der integralen Szene kommt auch Wilber selbst zu Wort: in einem Auszug aus dem neuen Buch "Integrale Spiritualität" erläutert die Anwendungsmöglichkeiten von AQAL im Feld der Medizin .

Da redlicher Journalismus auch stets um Kontra-Positionen bemüht ist, findet der Themenblock mit einem Artikel von Stephan Cezanne und Hartmut Meesmann unter der Überschrift "Vermessener Anspruch" folgerichtig einen kritischen Abschluss. Hier wird vor allem das Bestreben nach einer 'Theorie von Allem' als "unmenschlich" und "vermessen" dargestellt, sowie auch Wilbers Austausch mit Andrew Cohen negativ kommentiert. Vielfach wird dabei Michael Utsch zitiert, dessen Wilber-Rezeption leider offensichtlich in vielen Punkten unvollständig ist und dessen Kritik daher für Kenner des Modells ins Leere greift. ("aUtsch, Michael!")

Unter dem Strich ist die aktuelle Ausgabe von Publik-Forum erfreulich, zeigt sie doch, dass Integrale Themen nun nach und nach Gehör und Verbreitung finden. Die Auflage der christlichen Zeitschrift liegt immerhin bei 47.000 Exemplaren.

Ein Interview von Stephan Cezanne mit Michael Habecker, das ursprünglich für diese Ausgabe vorgesehen war, wird in Kürze im IF-Lesesaal erscheinen. Es trägt den Titel "Keinen metaphysischen Bruch heben".

Hier ein Überblick über die Ausgabe von Publik-Forum:
http://www.publik-forum.de/ausgabenarchiv/?ausgabe=200913

UPDATE: Hier ist, wie Dr. Jens Heisterkamp, Chefredakteur von Info3 den aktuellen Schwerpunkt von "Publik-Forum"auf dem info3 Blog kommentiert:

http://www.info3.de/wordpressnews/?p=192


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Montag, Juli 06, 2009

Des Koans Lösung...


... bist DU!

Koans sind "Upayas" oder "hilfreiche Mittel", die in der Traditon des Zen, vornehmlich in der Rinzai-Schule benutzt werden, um den Schüler zu einer nicht-dualistische Verwirklichung zu verhelfen. Beispiele sind "Der Klang der Einen Hand" (im Gegensatz zu zwei Händen) oder das Koan "Mu!" - die Antwort auf die Frage, die Meister Joshu einem Schüler gibt, der ihm die Frage gestellt hat, ob denn auch ein Hund die Buddha-Natur hat. "MU!" [energisch]

Verwirrt? Richtig, das ist der Sinn der Übung. Der analysierende Verstand wird an seine Grenzen geführt. Im Kloster-Setting tragen die Schüler dann ihr Koan mit sich herum und werden täglich mehrmals zum Interview mit dem Meister gebeten, wo sie ihr Verständnis demonstrieren sollen. Das produziert dann den Druck und die Anspannung, um die Schale des Egos schließlich - wenn auch kurz - in der Lösung aufbrechen zu lassen.

Zu lösen hat man nur eines: sich selber. Die Integrale Theorie gibt uns schöne Kategorien an die Hand, um zu erklären, was da vor sich geht. Den Universal-Schlüssel für Koan-Lösungen, oder zumindest den entscheidenden Schritt bietet folgende Formel:
Gehe von der 3. Person zur 1. Person Perspektive.

Die 3. Person-Perspektive ist hilfreich, um die Welt zu beschreiben, zu analysieren, zu kategorisieren. Genau das, was jetzt in diesem Blog-Posting in Bezug auf die Koan-Arbeit im Zen geschieht. Wir beschreiben von außen, gewissermassen aus der Distanz, wie der Sachverhalt aussieht. Aus der Entfernung erkennt man Muster, die man aus der Nähe nicht sehen kann.

Die 1. Person Perspektive ist unmittelbar teilnehmend und distanzlos. Sie ist gelebtes Sein, unbeschreiblich ohne die korrespondierende Erfahrung. Wie erklärt man den Geschmack von Erdbeerkuchen? Nun, am hilfreichsten ist es hineinzubeissen und selber zu probieren. Die 1. Person Erfahrung ist subjektiv und direkt zugänglich - wenn man denn den Sprung vom Beckenrand des analytischen Denkens in den Pool des Seins mal gewagt hat.

Die Empfehlung lautet also: Spring rein in die 1. Person Erfahrung dessen, worum es in dem Koan geht. Wenn sich also in der Koan-Geschichte jemand mit dem Hammer auf den Finger haut, analysier nicht die Bedeutung des Schmerzes vor dem Hintergrund der buddhistischen Kosmologie und der Lehre von der Vergänglichkeit aller relativen Erscheinungen, sondern SCHREI laut "AUUAAAAA!!!" Raus aus der Birne, rein ins Leben - oder: raus aus dem 3. Person-Modus, rein in den 1.Person Modus.

Am Anfang kommt man sich dabei vor wie ein Pantomime oder ein Schauspieler. Und das ist nicht schlimm. "Fake it until you make it" [Täusche es vor, bis du es schaffst], wie Genpo Roshi sagen würde. Du spielst einfach Buddha, bis das friedvolle Lächeln sich in deine Gesichtszüge eingegraben hat. Wenn wir das äußerliche Verhalten eines Erwachten nachmachen, dann kann das Innerlich auf lange Sicht gar nicht anders, als diesem Trend zu folgen. Man kann ja mal in schwierigen Alltags-Situationen seine immanente Weisheit aktivieren, indem man sich fragt: "Was würde wohl Jesus, Buddha oder Sokrates in dieser Situation tun?" Und dann spielst du einfach die Antwort, die dir kommt und schaust - im Psychologen-Slang ausgedrückt - "was das jetzt mit dir macht". Denk jetzt nicht darüber nach, sondern setze es um.

Wir kennen das ja auch aus der Autosuggestion bei Entspannungsverfahren. Man sagt sich, dass der Arm jetzt "ganz schwer wird" und dann ist das so: Der Arm wird schwer.

Eine andere Weise es auszudrücken beginnt mit "ICH BIN". "ICH BIN" ist reine 1. Person und alles, was man konsistent und ausdauernd hinten dranhängt wird irgendwann zur geronnenen Erfahrung.

Normales Denken geht so: "Wie komme ich dahin, wo ich hin will?" Wir kennen es aus verschiedenen Eso-Klischees, aber es trägt einen Kern der Wahrheit: dieses Denken trennt dich von den Ergebnissen ab, die du dir wünschst. Es setzt immer schon eine Getrenntheit vom Ziel voraus, die es zu überwinden gilt. Dadurch schiebst du das Ziel weg. Du sagst dem Universum "ICH BIN jemand der sich XYZ wünscht" und das Universum sagt "ja, bitteschön - hier hast du die Erfahrung". Deswegen ist es eine Garantie für Frustration "Erleuchtung" in dieser Weise als Objekt da draußen zu suchen.

Du musst am Ziel beginnen. Das Ziel ist Sein , "ICH BIN", 1. Person Erfahrung. Wenn du Reichtum wünscht, musst du zunächst kapieren, dass du bereits reich bist. Halt, falsch. Es geht nicht darum, es zu kapieren (3.Person), sondern es zu erfahren (1.Person). Wenn du erfährst, dass du bereits reich BIST, wozu solltest du noch rumrennen und dem Objekt deiner Begierde nachjagen? Du könntest einfach in dem Reichtum ruhen, der du BIST. "Ich bin reich". Sage es einmal innerlich zu dir.

Wenn du Schwierigkeiten damit hast, frage dich einfach, wofür du in deinem Leben dankbar sein kannst. Ich garantiere dir: du bist Rockefeller persönlich.

"ICH BIN" ist eine kraftvolle Formel, ob jetzt zur Lösung von Zen-Koans oder von Lebens-Koans im Allgemeinen. Egal, was es ist, wonach du innerlich schreist - tu mal so als wärst du es bereits ("Ich bin XYZ")und öffne dich dann der Erfahrung dessen.

Man kann nun platt ergänzen "...Multimillionär", augenblicklich seinen Kontostand überprüfen und die Übung dann abbrechen.

Zum Glück funktioniert sie einwandfrei in Bezug auf das höchste und edelste Objekt menschlichen Strebens und Trachtens: "Erleuchtung" "Befreiung", "Verwirklichung", "Erwachen", oder wie auch immer man es nennen mag.

Du, bzw. "je ich" b/ist:
LIEBE
DANKBARKEIT
DEMUT
WEISHEIT
DAS ALPHA UND DAS OMEGA
NIRVANA
DAS HIMMELREICH GOTTES
DER EWIGE FRIEDEN
DAS KLARE LICHT DES GEISTES
...

Die Meister aller Zeiten erklären uns mit großmütterlicher Geduld, dass wir das niemals erreichen können- aus gutem Grund: du bist es bereits. Du kannst deine Füße nicht erreichen - du hast schon welche. Spring einfach in die erste Person und erfahre es. "ICH BIN" hilft dir dabei. ICH BIN ist Schöpfung pur und du bist nach dem Angesicht des Schöpfers gebaut. Nimm es ernst. Nimm DICH ernst.

KAFKA: "Was wir Weg nennen ist bloß Zögern" - Es gibt keinen Scheiß Weg! Kapier es, du Zaunpfahl!

Auch Douglas Harding hatte diese großmütterliche Geduld. Er hat den Leuten unmittelbar gezeigt, wie sie Experimenten ihre formlose 1.Person-Natur direkt sehen können. Er nannte es den "Weg der Kopflosigkeit", weil das direkte Sehen, dass du in diesem Augenblick keinen Kopf dort hast (aus der 1. Person) wo andere ihn sehen (aus der 3. Person). Viel spannender als die Kopflosigkeit ist, dass du, wenn du die Aufmerksamkeit an diesem Punkt nach innen wendest, sehen kannst, dass DU der Raum bist, in dem alle Dinge entstehen und vergehen.

DU bewegst dich nicht - die Welt bewegt sich. Du bist die Leinwand des Kinos auf dem der Film deiner Persönlichkeit abläuft. Du bekommst eine neue Option: du kannst dich weiter mit dem vergänglichen 3. Person Objekt dort drüben im Spiegel identifizieren (und leiden) oder du kannst dich zu deiner wahren Natur als (ungeborene) 1. Person HIER bekennen. Du kannst es nicht langsam analysieren und nach und nach kapieren, sondern nur unmittelbar direkt erfahren. Mach die Experimente und schau nach!

Des Rätsels Lösung ... bist DU!

MU!

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Sonntag, Juni 28, 2009

Sandmenschen

Wir Menschen sind aus Sand gemacht
und klopfen an die Wände der Sanduhr.

Korn um Korn rinnt unser Leben davon
unaufhaltsam dem Tode entgegen.

Wir bestehen aus Sand, wie alles andere.
Wir rieseln
Sekunde für Sekunde
Minute für Minute
Stunde für Stunde
Tag um Tag
Woche um Woche
Jahr um Jahr.

Unser Sand rieselt dahin, dem Loch entgegen.
Alles was wir berühren können besteht aus Sand.
Wer lauscht hört das Rieseln in Allem.

Das ist unendlich traurig.
Die Sandkörner sind verklebt durch Tränen.

Am Ende fällt alles durch dasselbe Loch.

Wir reichen uns die Hand aus Sand
und zerrieseln in Eins.

Mögen wir alle am selben Strand landen,
wo die Wellen der Ewigkeit
sich in der sanften Brandung brechen
unaufhörlich, von jetzt zu jetzt.

26.06.2009


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Mittwoch, Juni 03, 2009

Es ist immer wieder gut die Be-Hauptung zu überprüfen...

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Donnerstag, Mai 14, 2009

"Practice, Damn It! Practice!" - John Dupuy über eine neue Kultur der integralen Lebenspraxis

Ein sehr beeindruckender Blog von John Dupuy, dem Pionier der Integralen Suchtgenesung (Integral Recovery):

http://integralrecovery.com/2009/05/practice-damn-it-practice/


John "Rocky" Dupuy

www.integralrecovery.com

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Donnerstag, April 02, 2009

Terry Patten erstmalig in Deutschland !

Bad news: die Mai-Tagung des IF in Bremen ist schon ausgebucht.
Good news: einen der Top-Referenten der Tagung kann man auch woanders noch sehen

Ende April wird Terry Patten, Trainer des Integral Institute (von Ken Wilber) und Co-Autor des Buches "Integral Life Practice" erstmalig in Deutschland sein. DIA- Die Integrale Akademie hat anläßlich seines Besuchs eine Vortragsreihe in fünf Städten organisiert.
In Frankfurt (24.04.),
Köln (27.04.),
Basel/Dornach (29.04.),
Tübingen (30.04.)
und Bremen (01.05.Tagung des IF + DIA)
wird er über "Integrale Lebenspraxis" (ILP) sprechen.

Zudem veranstaltet DIA vom 25.-26.04. in Frankfurt mit Terry ein Seminar:

"Das Integrale Herz" mit Terry Patten (I-I)
Essenzielle Praktiken der drei Gesichter Gottes zur Erweckung von Weisheit und Mitgefühl



Erfahre wie Ken Wilbers brillante "Theorie von Allem" praktisch gelebt werden kann - mit Gefühl und Herz in vollständig verkörperter Menschlichkeit. Dieses Seminar wird Dir helfen die "neue Welle" des Integralen Bewusstseins, die beginnt unsere Welt zu verändern, zu verstehen und - weitaus wichtiger - zu erfahren. Und es wird Dir zeigen, wie man dieses Integrale Bewusstsein praktiziert - um Deinem höchsten Gewahrsein zu erlauben lebendig zu werden als Du.

Dieses Seminar richtet sich sowohl an Anfänger als auch an ernsthafte Langzeit-Praktizierende. Es ist dafür geschaffen ein klärender Neuanfang zu sein - eine Gelegenheit, um tatsächlich die Gänge in eine höhere Oktave des Bewusstseins, der Lebendigkeit, der Effektivität und der Hingabe zu schalten, und das alles auf eine geerdete und nachhaltige Weise. ...mehr lesen

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Samstag, März 14, 2009

Spiral Dynamics Vortrag auf Jetzt-TV.net

Der 2. Vortrag aus meiner Ken Wilber Vortragsreihe "Spiral Dynamics: Ebenen des Bewusstseins" ist nun auf der Internet-Seite von Jetzt-TV in fünf Teilen veröffentlicht worden. Zum Schauen der Videos klickt einfach auf das Bild oben. Viel Spass.

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Freitag, Januar 30, 2009

Ken Wilber über Barack Obama


"Es hat wahrscheinlich seit John F. Kennedy nicht mehr soviel wilden Enthusiasmus in Verbindung mit der Wahl eines Präsidenten gegeben wie, das was jetzt mit Obama passiert. In der integralen Community wird das natürlicherweise in die Frage übersetzt „Ist Obama integral?“

Ich habe mich bis jetzt zurückgehalten mit der Beantwortung dieser Frage, weil ich mich erstens nicht in aktive Politik einmischen wollte (weil es bis jetzt noch keine Integrale Politik gibt), und zweitens (und das erstere überwiegend) glaube ich nicht, dass wir genügend glaubwürdige Informationen vorliegen haben, um das zu entscheiden. Man beachte, dass eine große Überwachungsorganisation Obama als einen der zwei liberalsten Senatoren im Kongress eingeschätzt hat –wohl kaum ein Erkennungszeichen integraler Inklusivität.

Und doch hat Obama, insbesondere mit dem Fortschreiten der Kampagne, zunehmend integral klingende Äußerungen von sich gegeben. In der Tat, eine integrale Analyse seiner Antrittsrede von Corey deVos und Clint Fuhs offenbarte einen hohen Prozentsatz von integral-umfassender Sprache und Ideen (insbesondere im Vergleich zu den anderen Kandidaten). Es scheint in der Tat so, dass Obama irgendwann während der Kampagne selbst von Ende grün (die pluralistische Stufe der Entwicklung mit ihrem inhärent hohem Liberalismus) zu Anfang petrol-farbener Stufen ( die ersten integralen Stufen der Entwicklung mit inhärent integral-orientierten politischen Standpunkten) gegangen ist. Nach und nach schienen seine Sprache und seine Wertesysteme sich zu verändern, direkt vor unseren Augen, in integrale Welträume.

Es ist natürlich immer noch zu früh, um ein solides Urteil darüber zu fällen, doch es scheint sicher zu sagen, dass Barack Obama sich wahrscheinlich in Richtung wahrhaft integraler Wellen der Entwicklung bewegt und daher anfängt wahrhaft integrale Werte und Positionen zu zeigen. Das zusammen mit seinen bereits bemerkenswert entwickelten Zuständen (die seinem Wesen eine sehr wahrnehmbare Strahlkraft und Präsenz verleihen) bedeutet, dass wir möglicherweise, auf alle Fälle das erste mal in diesem Jahrhundert, einen wahrhaft integral-orientierten Präsident der Vereinigten Staaten sehen werden. In diesem Klima der Möglichkeiten herrscht der intensive Idealismus und das Gefühl des Versprechens, das dieser neue Präsident mit sich bringt: die Hoffnung und das Versprechen , dass ein neues Morgen wirklich möglich ist, und es jetzt beginnt, in diesem Augenblick. Wenn das so ist, ist es in der Tat ein wirklich historischer Moment, an dem das integrale Bewusstsein wirklich herabgekommen ist in und durch die Stimme und die Vision der mächtigsten Person des Planeten. Wir sind wirklich dabei in das Integrale Zeitalter einzutreten, und Barack Obama’s Stimme ist vielleicht die bemerkenswerteste und wichtigste integrale Stimme in der politischen Arena. Wie können wir das sicher wissen? Bleiben Sie dran! "

29.01.2009, Quelle: Ken Wilbers Blog
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